Werner Mittelstaedt, Wie das Unmögliche möglich wird – Skizzen für ein neues Fortschrittsnarrativ, Frank & Time Verlag für wissenschaftliche Literatur, Berlin 2026, ISBN 978-3-7329-1185-1, ISBN E-Book 978-3-7329-8730-6.
Eine Rezension
von Dipl.-Ing.- Jörg Bergmann
Ich lese und dabei kommen einem Gedanken, Ideen und Assoziationen – eine Risikobetrachtung ist aus einer Rezension eines neuen Buches geworden.
In „Wie das Unmögliche möglich wird“ hebt sich Werner Mittelstaedt ab von bisherigen, durchaus dystopischen Mythen, wie der eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums.
Was vermeintlich, so kann man derzeit wieder dem Tenor der Parteien auf Wahlplakaten entnehmen, Arbeitsplätze schaffe. Das wäre zwar einfach, aber ist falsch. Neulich las ich in einem antiquarischem Buch über Komplexitätstheorie, von Experten, die sich Gedanken machen, warum etwas ausstirbt und anderes nicht.
Wir finden dann auch hier bei Mittelstaedt James Lovelock genannt, der die KI zur etwaigen Beglückung der Menschheit wähnt. Man erinnere sich seiner umstrittenen Gaia-Hypothese, in der die Welt sich als Organismus selbst ihre Umwelt schafft und erhält. Und ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Denn bei KI handelt sich ja bekanntlich zunächst um einen Hype, einen Goldrausch, dem viele deswegen erlegen, weil sie es der KI überlassen, ihr verdientes Geld nach Abzug von Steuern in Aktienfonds anzulegen, die wiederum in völlig überbewertete KI-Aktien investieren. Das wird uns so auf die Füße fallen, dass es knallt.
Nein, es braucht den Anspruch, von sich selbst ein Tun und Lassen zu verlangen. Die meisten Viecher dieses Planeten sind ausgestorben. Wir dann auch demnächst?
Ja, es ist komplex auf dem dünnen Grad zwischen Stagnation der Weltwirtschaft und dem Chaos des ewigen Mehr. Mittelstaedt dagegen fordert anstelle quantitative, wieder die Rückbesinnung auf qualitative Ziele, die auch als Körnchen Wahrheit in vielen Sprichwörtern Verbreitung gefunden haben.
Er nennt diese mit vielen zitierten Quellen untermauert „Fortschrittsnarrative“. Wikipedia, woraus sich die KI derzeitig, oder etwa ausschließlich bedient, weil quell-offen, schreibt zu Narrativen (in der Sozialwissenschaft): „Konsens ist, dass Narrative eine Möglichkeit zur gesellschaftlichen Orientierung geben und Zuversicht vermitteln können.“
Genau das ist es, worauf Mittelstaedts neues Buch abhebt: Orientierung im Unmöglich-Erscheinenden.
Vielleicht braucht es diese Narrative gerade im Rahmen einer mit wissenschaftlichen Methoden nachweisbaren globalen Erwärmung, damit es nachvollziehbar bleibt für jedermann im Kleinen, in dem lokalen Kontext, in dem die Menschen auf diesem einzigartigen Planeten leben.
Ein Biologe hatte einst festgestellt, es gebe kein einziges Lebewesen, welches über seinen Fress-Horizont hinaus blicken könne. Demgegenüber bietet diese Buch genau diese Möglichkeit dazu. Sechs Disruptionen werden aufgezählt, die das Leben auf der Erde erfahren konnte, so das Aussterben der Dinosaurier, die nicht verhindern konnten, dass ein Meteorit einschlägt.
Die Menschen hätten aufgrund ihrer entwickelten Fähigkeit durchaus zumindest die Möglichkeit dazu, das zu verhindern. Es wird also möglich.
Das ist positives Gedankengut aus vertrauenswürdigen Quellen, was Mittelstaedt hier aus Sicht eines Verbrauchers, und nicht aus Sicht der Marketingabteilung eines Unternehmens, aus Sicht von Lobbyisten mit zweifelhaften Studien à la „eine Studie hat ergeben“, zusammengestellt hat.
Aus Ingenieursicht bin nunmehr in der Lage, und erst Recht als Insider meines persönlichen Kompetenzbereichs, ein Fortschrittsnarrativ zusammenzustellen, etwa so:
„Künstliche Intelligenz, als KI abgekürzt, ist nur ein Gebiet der Mathematik, eben Statistik, welches mit der Programmiersprache Python programmiert wurde. Diese wiederum ist keine nachhaltige Programmiersprache, weil sie ineffizient abläuft, aber leicht zu programmieren ist. Energiefressende Fehler zu machen, wird dadurch schnell und einfach möglich.
Aufgrund der fehlenden Nachvollziehbarkeit ist KI vor Gericht nach herrschender Meinung nicht verwendbar; das wird auch so bleiben. Aus statistischen Gründen darf man deshalb keine Qualität von KI erwarten, die bestenfalls nach Gauß mittelmäßig wäre.
Wir wollen aber endlich wieder Qualität! Aber die KI reicht zumindest aus, um Muster zu erkennen. Immerhin, damit kann man etwas anfangen.
Fraglich ist dann noch, ob es sich am Straßenrand um ein Kind im roten Anorak, was gleich überraschend losrennt, handelt, oder doch nur um einen roten Hydranten.“
Die semantische Analyse dagegen, die Bedeutung eines Satzes, einer mathematischen Formel, erschließt sich bis dato unter geringstem Energieeinsatz nur dem menschlichen Verstand in seiner analogen, also nicht-digitalen Struktur und Arbeitsweise, aus jahrzehntelangem, erlebtem Kontext heraus. Es fließt ein bisschen Strom in Nervenbahnen und das war es. Das Ergebnis ist da.
Ein Fortschritt würde mithin jetzt aus meiner Sicht zunächst darin bestehen, dass das erwartete Ergebnis analog und parallel, und damit quasi lichtschnell und energieeffizient, anstatt digital und sequentiell in einer KI mit Computerbefehlen berechnet wird.
Die Analogrechner kämen also wieder zum Tragen; das steht jetzt nicht seinem Buch, aber Mittelstaedt gab mir damit quasi eine Steilvorlage, denn ich hatte mich seinerzeit in meiner Diplomarbeit mit Analogrechnern beschäftigt, weil ich damit anhand von Modellen ein Systemverhalten simuliert hatte.
Damit hätte man aber längst keine Disruptionen abgedeckt, Brüche in der Weltgeschichte, also sogenannte „Überraschungen“. „No surprises!, hatte einst Herr Mehdorn der Bahn AG als Hinweis-Schild auf seinem Schreibtisch stehen. Es war ihm wichtig das zu betonen und im Nachhinein weiß er auch warum.
Überraschungen begegnet man dagegen eben, überraschender Weise schlicht mit Nachhaltigkeit.
Es erstaunt mich dann aber, wie wenig der Begriff „Nachhaltigkeit“, englisch: „Resilience“, und dann wieder zurück übersetzt ins Deutsche, „Belastbarkeit“, Eingang in die EU-weite Gesetzgebung gefunden hat. Allein die EU-Datenschutzgrundverordnung hat „Belastbarkeit“ als definitives Sicherheitsziel eingebaut. Der Bundestag hat somit lediglich ein Umsetzungsgesetz zu beschließen; er wird also in seiner Bedeutung vermutlich eher überbewertet.
Es verbleibt dem Bundestag leider immer noch zur Lösung die sogenannte „Sozialen Frage“, die Frage der Besteuerung der damit EU-Inlandsdiskriminierten und der Bußgeldkatalog als Papiertiger für das Geldwäsche- und Steuer-Betrugsgeschäft. Was entgehen uns Steuerzahler doch für Milliarden von Euro, die wir in die Erhöhung der Deiche stecken könnten!
„Nachhaltigkeit“ ist somit als Begriff längst verbrannt, im Greenwashing ausnahmslos sämtlicher Konzerne abgesoffen, und wird daher gerne überlesen. Ein Gesetz kann eben nur durch das Verhalten des Individuums wirken.
So wird man auch als Datenschutzbeauftragter gerne geschnitten, fühlt sich als Yedi-Ritter der Nachhaltigkeit gegenüber dem Imperium des finanzwirtschaftlichen militärindustriellen Komplexes – und die US-Regierung ist dabei nur deren Marketingabteilung – leicht überfordert.
Nachhaltigkeit umzusetzen ist zur Lebensaufgabe geworden. Mittelstaedt, sagt in seinem Buch, dass dies dennoch möglich ist.
Zudem sind eben auch nicht notwendigerweise diejenigen Lösungen auf die von Mittelstaedt genannten Herausforderungen der Menschheit, geeignet, welche uns einzelne, selbst ernannte „Weltverbesserer“ eben der „Magnificent Seven“ US-amerikanischen Technologie-Unternehmen unter einer derzeit populistischen US-amerikanischen Regierung weismachen wollen. Es hat ja gerade etwas scientologisches.
Nie wieder, heißt für uns Deutsche auch, dass eben nicht am deutschen Wesen die Welt genesen soll, sondern an kultureller, wie auch an biologischer Artenvielfalt.
Dankbar bin ich als Aktienanleger, wenn im Buch Firmen wie Ørsted zitiert werden, die nachweislich ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufweisen. Deren Aktienkurs ist zwar zeitweise Dank Donald Trumps globaler, impulsiver Pressedominanz unter die Räder (der Winde?) geraten, aber eben nur zeitweise, und definitiv nicht nachhaltig. Die Frage der Relevanz von Pressemeldungen stellt sich. Ja, aktuell und brisant sind diese alle, sonst werden sie nicht gekauft, aber auch relevant für einen selbst?
So greife ich gerne die zusammengestellten Fortschritts- und Handlungsnarrative Mittelstaedts innerhalb meines Fress-Horizontes, oder „Kraft meiner Wassersuppe“, auf.
Und wünsche mir, dass so mancher gewählter Politiker, Mandatsträger in freiheitlich-demokratischer Grundordnung, Verbandsvertreter und Konzernleitende, Mittelstaedts neues Buch nicht nur gelesen, sondern auch verstanden hat, bevor er oder sie sein oder ihr Wort ergreift.
Und dass er oder sie nicht etwa nachweislich falsche Tatsachen behauptet über Deutschlands dunkelste Zeit, etwa Lügen verbreitet, wie diejenigen zehn Prozent, die man sowieso nicht zum Nachdenken bewegen kann.
Oder etwa Schmähkritiken in Versform absondert, wie das Bundesverfassungsgericht feststellen musste, à la Böhmermann in der Öffentlichkeit über ausländische Staatsoberhäupter, die in deutschen Stadien ihre Wahlveranstaltungen abhalten. Es ist skurril.
Aber zumindest mit Nietzsches Dialektik käme man miteinander klar: jeder hat ein bisschen Recht mit seiner persönlichen Wahrheit.
Wir müssen miteinander reden, Vertrauen aufbauen, was ein ehemaliger Geheimdienstchef Putin hat zerschießen und zerbomben lassen zugunsten eines reaktionären Imperialismus. Ich hätte nie gedacht, dass Europa es wieder nötig hat, einen „Anti-imperialistischen Schutzwall“ längs durch den Kontinent zu errichten.
Aber, wir haben bis dato überlebt. Überlebt und vergessen. Und auf Propheten im eigenen Lande hört bekanntlich niemand. Ich wünsche mir daher sehr, dass Mittelstaedt zumindest als zukunftsweisend gelesen wird.
Ich werde mich persönlich nunmehr nach dieser Lektüre für Open-Source, anstelle von Hersteller-Abhängigkeit, einsetzen, das „Right-2-Repair“ einfordern und Vorbildfunktion einnehmen beim Kleiderkauf.
Das Auto werde ich so lange in der Garage stehen lassen, bis es auseinander fällt, und keines mehr neu kaufen. Wozu auch? Ich hätte auch gar keine Steckdose zum Laden dafür inmitten der Stadt, so autonom bin ich noch nicht. Ich habe ein Landesticket von meinem Arbeitgeber bekommen. Aber mit der Bahn flexibel und weit reisen, das wäre eher abenteuerlich.
Danke für die vielen Anregungen in neun Skizzen für Fortschrittsnarrativen als Bausteine, mit denen jeder seine persönliche Zukunft gestalten kann. Zusammengenommen wurde daraus schon immer rückblickend betrachtet, Historie.
Weiterhin am zentralen Tropf US-amerikanischer Technologie zu hängen, halte ich dagegen für ein Sicherheitsrisiko erster Güte, insbesondere für eine liberale Demokratie, wie (noch) unsere.
Meinungsfreiheit ist nach Artikel 5 Grundgesetz zwar ein Grundrecht im Sinne einer Informationsfreiheit, ist aber auch sowohl Bring- als auch Hol-Schuld für jedermann.
Dezentral und vielfältig – das vorliegende Buch ist definitiv lesenswert, um sich eine eigene Meinung zu bilden, über die klimabedingten Herausforderungen, die uns relevant ins Hause stehen, und deren möglich gewordenen Lösungen in einer lebendigen Demokratie.
Und um letztendlich auch noch überleben zu können, dient es als Orientierung am Rande eines „galoppierenden Chaos“.
Darmstadt, im Februar 2026.
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